Geschichte

Leithaland Leithaprodersdorf

16,5 Mill. Jahren

Geologie
Mit dem Einsinken des Wiener Beckens und dann des Eisenstädter Beckens brachen vor etwa 16,5 Millionen Jahren Teile des Alpen-Karpatenbogens ein, und es entstand ein seichtes warmes Meeresbecken. Diese Bewegung hält mit 1 bis 2 mm pro Jahr auch heute noch an. Das führt im Jahr zu circa drei bis vier nicht immer spürbare Erdbeben, vor allem im südlichen Bereich rund um Wiener Neustadt. Stärkere Beben treten nur alle 20 bis 30 Jahre auf. Entlang von Bruch- und Verwerfungslinien haben sich vereinzelt heiße Quellen gebildet, wie z.B. in Baden, Bad Vöslau und eine im 19. Jahrhundert intakte Mineral Quelle  Bad Leithaprodersdorf.

15 - 13 Mill. Jahre

Vor 15 bis 13 Millionen Jahren waren das Leithagebirge und Ruster Hügelland zwei Inselketten im warmen Meer. Entlang der Küsten existierten Lebensräume ähnlich wie sie heute aus dem Roten Meer bekannt sind. Eine starke Sedimentierung begann. An diesen kristallinen Grundgebirgen setzte das Meer Kalkalgen, Korallenriffe und fossile Rotalgen als Küstenablagerungen ab. Diese an Fossilien ungemein reichen Kalke und Kalksandsteine sind das Material für viele Wiener Prachtbauten.

2 Mill. Jahren

Wichtige Sedimente aus dem Alpenraum wurden von den Flüssen Donau, Leitha, Schwechart, Fischa u.a. im Wiener Becken abgelagert.

15.000 - 10.000 Jahre

In der ausgehenden Eiszeit lebte der Riesenhirsch in unseren Breiten. Wegen seines ausladenden Geweihs mit einer Spannweite bis zu 3 Meter und einem Gewicht von bis zu 40 kg war er wohl ein Bewohner von offenen, baumlosen oder waldarmen Geländes.

5.000 v. Chr.

Zunächst muss gesagt werden  das unser Wohngebiet als klassisches Beispiel einer siedlungspolitischen Kontinuität angesehen werden kann. Vom Neolithikum Jungsteinzeit 5000 v.Chr. über das Spätneolithikum, die Bronze Zeit 2.200 - 800 v.Chr., die Hallstatt Zeit 800-450 v.Chr. und La-Tene Zeit 450 - 100 v. Chr. bis herauf zur Römerzeit belegen Bodenfunde diese Siedlungskontinuität.

0 um Chr.

Um Christi Geburt unterwarf Tiberius römischer Kaiser von 14 bis 37 n. Chr die Alpenländer und bald danach auch Pannonien bis zur Donau. Zahlreiche römische Gräber geben ein Zeugnis von der Besiedlung durch die römischen Veteranen. Bedeutender jedoch ist der 1971 ausgegrabene Kern eines römischen Burgus, eines ummauerten Wachturms aus dem 3. Jahrhundert. Offensichtlich wurde damit der Leithaübergang gesichert. Erklärlich wird die Befestigung aus der Tatsache das die römische Reichsstraße Scarbantia - Vindobona hier die Leitha querte. Erst im Hochmittelalter wurde der Übergang nach Wimpassing verlegt.

0 - 217 n. Chr.

In einer selten lückenlosen Kontinuität bestehen seit über 4000 Jahren Siedlungen im Umland der Prodersdorfer Furt. Die Furt war ein Straßenknotenpunkt. Die historisch wichtigste Straße in diesem Wegenetz war die römische Reichsstraße Scarbantia (Ödenburg) - Vindobona (Wien), die über unsere Furt die Leitha querte. Dieser natürliche Flussübergang wurde von allen vorrömischen Menschen unseres Raumes seit der Steinzeit her genutzt. Auf einer antiken Straßenkarte, die unter dem römischen Kaiser Caracalla (211-217) entstanden sein dürfte, ist auf exakt halben Weg zwischen Scarbantia (Ödenburg) und Vindobona (Wien) ein Ort namens Muteno eingezeichnet. Eine mittelalterliche Abschrift dieser Karte wird unter der Bezeichnung Tabula Peutingeriana in der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien verwahrt. Der Standort von Muteno trifft auf unsere Furt zu. Diese Römerstraße errichtet unter Trajanus (98-117), verlief ungefähr dort, wo heute die 16er Bundesstraße verläuft. Nur mit dem Unterschied, dass die Römer die gerade Straße bei Hornstein verließen, und sie im Bogen ums Leithagebirge herum über die Prodersdorfer Furt führten. Zwischen Weigelsdorf und Ebreichsdorf mündete die Straße wieder in den geraden Verlauf.

400 n. Chr.

Die Überbevölkerung und Wanderlust germanischer Stämme führte um 400 n.Chr. zum Untergang des Weströmischen Reiches. Aber selbst in den Wirren der Völkerwanderung reißt die Siedlungskontinuität unseres Ortes nicht ab. Germanische Stämme wie Langobarden und Gepiden bewohnten rund 100 Jahre unseren Raum.

600 n. Chr.

Völkerwanderung der Germanen

600 - 800 n. Chr.

Awaren, Slaven

Aus dieser Zeit stammt der Leithaprodersdorfer Awaren Friedhof, in dem auch einige germanische Gräber zu finden sind. Dieses ausgedehnte Gräberfeld lässt wohl den Schluss zu, das die nomadisierenden Awaren bei uns eine Art Basislager hatten. Wir lokalisieren es in der Gegend des Annakreuzes. Die Slawen aber besiedelten den alten Ort am Fluss und gaben ihm jenen Namen den er heute noch trägt, Prodersdorf. In der Urkunde aus 1232 tritt uns der Name als Castrum nomine Pordan das erste Mal entgegen. Pordan ist die magyarische Form des slawischen Prodan, was einem slawischen Personennamen entspricht, zu deutsch der Verkaufte. Andere Forscher sind der Ansicht das Brodan Furtwart bedeutet. Wir neigen zur zweiten Ansicht, zumal es ähnliche Fälle bei Wulka - und Rabapordany in Ungarn gibt, die beide gleichfalls an Flussübergängen liegen. Die Metathese macht die Ungarn aus Prodan - Pordany.

800 n. Chr.

Karl der Große wurde am 25. Dezember 800 zum Römischen Kaiser gekrönt.
Damals wurde unser Ort das erste mal von Baiern besiedelt. Mit den Neusiedlern kam auch das Christentum von Passau aus zu uns. Am Pfefferbüchsel soll damals bereits ein Kirchlein gestanden sein.

800 - 900 n. Chr.

Karolingische Baiern

800 n.Chr.

Der Frankenkönig Karl der Große förderte den Weinbau. Vorher war Apfelwein gebräuchlich, doch das aus wilde Äpfel hergestellte Getränk wurde nicht besonders geschätzt. Am stärksten verbreitet war im frühen Mittelalter  der Genuss von Kräuterbier, dann kam der Weingenuss hinzu. Die Weinrebe hatte ein Verbreitungsgebiet, das sich zu jener Zeit weiter nach Norden hin erstreckte. Damals gab es schon sehr bekannte regionale Weinsorten. Der Burgunderwein war bereits berühmt. Im Edikt Capitulare de villis legte der große Frankenkönig eine Selektion der besten Rebsorten fest. Diese edlen Sorten wurden "fränkisch" genannt. Karl der Große beschloss ein Gesetz für Winzer das eigene Produkt ausschenken zu dürfen.

803 n. Chr.

803 waren die Awaren endgültig besiegt. Das eroberte Land wurde als Markgrafschaft eingerichtet und von Passau missioniert. Über die Prodersdorfer Furt kamen bairische Siedler in die Leithagegend. Auf dem Vorderberg gründeten sie das Dorf Wörth und errichteten eine Holzkirche. Auf dem Leithaprodersdorfer Hotter entstand eine dreigliedrige Polyethnic aus Baiern, Slawen und Awaren.

4.3.833

Älteste Gemeinde vom Burgenland ???  Die Entstehung und Entwicklung der Bergkirche erstreckte sich über Jahrhunderte. Die erste Bauphase der bestehenden Kirchenruine, eine einfache Chorquadratkirche, stammt angesichts der Mauerreste aus dem 11. oder frühen 12. Jahrhundert. Neue Hinweise und Überlegungen deuten allerdings auf die Entstehung im Frühmittelalter hin. In einer karolingischen Königsurkunde aus dem Jahr 833 wird „von einem Ort Litaha, oberhalb der Quelle, die Sconibrunno genannt wird“, gesprochen. Die topographischen Angaben der Urkunde können schlüssig auf den neben der Leitha aufragenden Geißbühel und die unweit davon entspringende Thermalquelle (siehe Bad Leithaprodersdorf) übertragen werden.
Archäologische Grabungen könnten Klarheit über ein eventuell bereits im 9. Jahrhundert existierendes Kirchengebäude bringen.

900 n. Chr.

Mit Erscheinen der Magyaren um 900 wurde die germanische Besiedelung des pannonischen Raumes unterbrochen. Nach der Niederlage des bayrischen Heerbannes am 5.Juli 907 bei Preßburg brach das karolinische Markensystem zusammen. Die Niederlage des Magyaren 955 auf dem Lechfeld zwang sie zum Rückzug in die pannonische Tiefebene und zur Sicherung ihres Territoriums. Sie legten an der Westgrenze eine Verhaulinie die Gyepü an. Es entstanden Grenzwächtersiedelungen bis an die Leitha. Auch Leithaprodersdorf war eine Grenzwächtersiedlung.

1000 - 1100 n. Chr

Petschenegen waren ein bedeutender oghusischer Stamm, die wiederum zu den Turkvölkern gehören.

1000 n. Chr

Im Jahr 1000 gelangte der ungarische Arpadenfürst Stephan I. zur Königswürde. Mit seiner Gattin Gisela, einer bayrischen Herzogstochter, kamen deutsche Adelige in Land. Der Siedlungsplatz an der Furt wurde im 11. Jhdt. durch bairische Bauern wieder besiedelt.
Stephan I. der Hl. schuf eine eigene Kirchenorganisation. Auf Anordnung des Königs sollten je 10 Siedlungen eine gemeinsame Pfarre errichten.
Es ist anzunehmen, dass bei Pfarrgründungen an der kirchlichen Organisation der Passauer Kirchenprovinz festgehalten wurde, so dass wir vom Bestand alter karolingischer Pfarren auf Stephanspfarren die unter Stephan I. oder aufgrund seiner Bestimmungen entstanden sind.
Die Holzkirche auf dem Vorderberg aus der karolingischen Zeit dürfte den Ungarnsturm nicht überstanden haben.

11. Jahrh.

Der Gaisbühel nördliche Ausläufer des Leithagebirges bildet zungenartig einen nur schmalen, aber ca. 2 km langen Höhenrücken. An seinem Nordostende wurde im 11. Jhdt. in einem Friedhof die Kirche hl. Stephan Martyr errichtet. Der Turm der Kirche wird seit der 2. Hälfte des 19. Jhdts. „Pfefferbüchsl“ genannt. So benannte der Volksmund die alten Pfefferbüchsen ähnelnden Scharwachttürmchen an mitteralterlichen Burgen.
Mit „Pfefferbüchsl“ werden bezeichnet:
1. der Höhenpunkt (240m) des Friedhofhügels,
2. die Ruine der ehemaligen Pfarrkirche auf den Hügel.
Die Ortsbevölkerung von Leithaprodersdorf verwendet dafür:
1. Friedhofsberg – Kirchberg
2. Friedhofskirche – Bergkirche

11. u. 12. Jahrh.

Schon an der Wende vom 11. zum 12. Jhdt. wurde am selben Ort die romanische Stephanskirche (nach dem Patrozinium hl. Stephan Martyr) errichtet und als Pfarrzentrum einer Stephanspfarre gegründet und mit eigenen Pfründe ausgestattet.
Im 12. Jhdt. wurde nördlich des romanischen Landhauses eine Stifterkapelle erbaut. Um 1300 ließen die damaligen Grundherrn, die Heiligenkreuzer Zisterzienser, südlich vom Langsaal ein gotisches Seitenschiff errichten.
Bis zur Zerstörung im Türkenkrieg von 1683 war die Bergkirche die Pfarrkirche des 2 km entfernten Dorfes. Statt eines Wiederaufbaues ließ die Bevölkerung die im Ort aus der Zisterzienserzeit vorhandene gotische Grangienkirche erweitern und barockisieren. Sie wurde um 1700 geweiht und ist seither die Leithaprodersdorfer Pfarrkirche.

Zur Architektur:
Die Ruine der ehemaligen Leithaprodersdorfer Pfarrkirche wird oft als Rest einer mittelalterlichen dreischiffigen gotischen Kirche bezeichnet.
Tatsächlich handelt es sich jedoch ursprünglich im Kern um einen romanischen Langhaussaal aus dem 11./12. Jhdt. Die einschiffige Saalkirche war nach Osten gerichtet und mit Holz flach gedeckt. Dem Saal vorgebaut wurde ein gewölbtes Sanktuarium mit einem Turm. Derartige Chorturmkirchen finden sich selten.
Im 12. Jhdt. entstand die Nordkapelle, als Stifterkapelle wahrscheinlich eine Grabkapelle oder ein Privatoratorium. Um 1300 erweiterten die Zisterzienser von Heiligenkreuz den Kirchenbau mit einem südlich angebauten gotischen Seitenschiff (Marienaltar).
An der Ostseite, dem Dorf zugewandt, wurden die drei Schiffe ummantelt und der Turm aufgestockt.
Der Dreiecksgiebel, der Pyramidenhelm und die Turmkapelle stammen aus einer Renovierung aus dem 19. Jhdt.
Die Kirche St. Stephan Martyr stand inmitten eines Friedhofes. Der durfte im Mittelalter nur um eine Pfarrkirche angelegt werden und das Begräbnisrecht war ein Recht der Pfarren.
Noch heute liegt der Friedhof des 3 km Wegstrecke entfernten Dorfes um die mittelalterliche Stephanskirche. Er wurde 1850 und 1995 jeweils erweitert.

12. Jahrh.

In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhundert trat hier ein Wandel ein. Entlang der Ostgrenze Östrreichs entstand ein Burgengürtel. Nun gingen auch die ungarischen Könige zum Burgenbau über. Auch Leithaprodersdorf erhielt in der 2. Hälfte des 12. Jahrhundert eine Wasserburg. Die Gyepüelv wurde besiegelt. Die ungarischen Könige gaben das Land vielfach an östrreichische Adelige. Da im weitläufigen ungarischen Siedlungsgebiet offenbar keine überschüssigen Menschen zur Verfügung standen, kamen bairische Siedler ins Land. Leithaprodersdorf wurde in dieser heutigen Form gegründet. Burgherr war der deutsche Adelige Gutkeled. Die Gutkeled waren eine Familie oder ein Clan des ungarischen Adels. Von ihnen stammen eine Reihe ungarische Adelsfamilien ab. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts gehörten die Gutkeled zu den einflussreichen Oligarchen der Ungarischen Kleinkönigtümer.

18.11.1232

Leithaprodersdorf wird zum ersten male urkundlich erwähnt.

1252

Die ehemalige mittelalterliche Pfarrkirche zum Heiligen Stephan Martyr wurde südwestlich des Ortes am „Berg“ errichtet, und wird heute Pfefferbüchsel genannt, 1252 diente sie beim Einfall der Ungarn als Zufluchtsort. 1683 wurde sie jedoch zerstört, 1907 restauriert und zu einer Kapelle umgebaut (Dreifaltigkeitskapelle). Im Jahr 1972 fand eine Außenrenovierung statt. In der Turmkapelle wurden 1975 gotische Freskenreste festgestellt.

13. Jahrh.

In den Kämpfen um das babenbergische Erbe im österreichischen Zwischenregirung wurde die Leithaprodersdorfer Burg Przemysl Ottokar von Böhmen zerstört. Statt dessen wurde im nahen Hornstein eine Felsenburg erbaut. Ende des 13.Jahrhundert wurde der Leithaübergang nach Wimpassing verlegt.

1314

1314 wurde der Besitz durch eine weitere Schenkung von König Karl I. Robert von Ungarn erweitert. Die Heiligenkreuzer errichteten nun ein zweites Dorf mit einer Grangie - Kirche in der Nähe des ersten Dorfes.

1335

1335 scheinen die Grafen von St.Georgen - Bösing als Besitzer auf. Doch auch sie verlieren den Ort bald an das mächtige Geschlecht der Kanizsai der Herren von Hornstein. Unter der Herrschaft Hornstein blieb unser Ort während der gesamten Feudalzeit bis 1848.

1348

Pestepidemien der schwarze Tod

20.10.1377

Der Wortlaut der Urkunde lässt den Schluss zu, das die Kanizsai schon früher ein Recht in unserem Ort besaßen. König Ludwig I. von Ungarn befahl nämlich in seinem Übergabeinstrument von 1377 ausdrücklich den Frohnbauern von Leithaprodersdorf und Wimpassing den Kanizsai jene Dienste und Abgaben zu leisten, die einst der Woiwode Stephan Laczkfi von ihm forderte. Es war also von allem Anfang an geplant, die beiden Ortschaften Leithaprodersdorf und Wimpassing zur Erhaltung der Burg heranzuziehen. Vieleicht lag hier der Grund, die Heiligenkreuzer aus unserem Raum zu vertreiben. Damit war unser Ort im Besitz der Herrschaft Hornstein.

1409 - 1410

Pestepidemien der schwarze Tod

1463 - 1648

Herrschaft in habsburgerischem Besitz, als Lehen vergeben.

1521

Waren im 12.-15. Jahrhundert die Grenzkämpfe zwischen Österreichern und Ungarn, die unsere Bewohner zu schaffen machten, kam im 16. Jahrhundert die Bedrohung durch die Türken. Nach der Eroberung Belgrads dem Schlüssel zu Südungarn 1521 durch die Türken kam es schließlich 1526 zur Niederlage bei Mohcs, wobei in dieser Schlacht der Ungarnkönig Ludwig II. fiel. Dadurch kamen die 1515 geschlossenen maximilianischen Erbverträge der Habsburger zu tragen. Seither hatten beide Völker das gleiche Oberhaupt bis 1918.

1529

1529 war die 1. Türkenbelagerung Wiens durch Sultan Suleiman. Sie hatte verheerende Auswirkungen auf unsere Landstriche. Zurück blieben arg zerstörte Dörfer und stark dezimierte Bevölkerung. Kroaten aus dem Süden füllten die leeren Höfe. Während Hornstein davon voll betroffen war, kam unser Ort glimpflich davon. Die türkischen Aufmarschheere bewegten sich in der Brucker - und Wr. Neustädter Pforte, der kleine Friedhofhügel schirmte uns ab. Die östliche hälfte Ungarns blieb 150 Jahre lang besetzt.

1555

Unser Heimatort ist noch glimpflich davon gekommen von der 1.Türkenbelagerung, dass sieht man von der Ansässigkeit der Bauerhöfe, die alle mit deutschen Bauern besetzt waren.

15.9.1590

Erdbeben in und um Leithaprodersdorf mit einer Magnitude von 3,9. Die Erdbeben ereignen sich in einer Tiefe zwischen 5 und 11 km.

29.03.1598

Errichtung des Raaberkreuzes am Ortsausgang zur oberen Leithaau. Als Raaberkreuz bezeichnet man Bildstöcke, die nach der Rückeroberung der Festung Raab (Győr im heutigen Ungarn) im Jahr 1598 nach einem Erlass Kaiser Rudolfs II. errichtet wurden. „Sag Gott dem Herrn Lob und Dank dass Raab wieder kommen in der Christen Hand." Die Innschrift steht auf der Rückseite unseres Raaberkreuzes.
1605

Die Ortschaft hatte durch die Haiducken Bocskays zu leiden. Bocskays führte aufständische Ungarn gegen die Habsburger an.

1619 - 1620

Unsere Siedlung litt unter den Plünderungen der Bethlen Truppen ungarische Aufständische gegen den König, die Wirren des beginnenden Dreißigjährigen Krieg.

1636

Der Abt Christoph von Heiligenkreuz verlangte vom damaligen Besitzer der Herrschaft Hornstein, Freiherr von Kollonitsch die Rückgabe von Leithaprodersdorf. Der 1639 abgewickelte Prozess endet mit einer Abweisung an die Heiligenkreuzer.

1644

Unter Hans Rudolf von Stotzingen wurde 1644 die Kirchensiedlung Loretto gegründet

1648

Dem Grafen Franz Nadasdy III. gelang es die Herrschaft Hornstein zu erwerben und sie somit in ungarischen Besitz zurückzuführen. Nadasdy ließ die große Wallfahrtskirche in Loretto erbauen, ins Kloster berief er die Stotzinger Servitenmönche. Er wurde als führender Kopf der Magnatenverschwörung im nahen Pottendorf festgenommen und 1671 in Wr. Neustadt enthauptet. Der Besitz fiel an den König und Kaiser Leopold I.

2.11.1654

Großer Brand nähe bei der Kirche. 42 Häuser der Pfarrhof und die Schule brannten ab.

1655

Es wütete die Pest vor allem im Ort Stotzing.

1679

In Loretto wütete die Pest. Der Ort wurde von den Nachbargemeinden streng abgesondert. Die Grenze gegen Leithaprodersdorf war der Pappelbach heutiger Johannesbach. Über den Bach wurden den Bewohnern in Loretto mit entsprechenden Werkzeugen Lebensmittel hinübergereicht.

13.7.1683

Türkenbelagerung: Bevölkerung wurde arg dezimiert die Höfe und Felder zum Großteil zerstört. Im Türkensturm wurde die Pfarrkirche Stephan am Berg niedergebrannt viele Bewohner kamen ums Leben. Sie entschlossen sich anstatt der Bergkirche die im Dorf stehende Kirche Magdalena zu vergrößern. Die Magdalenenkirche ist eine von den Heiligenkreuzer Zisterziensern zu Beginn des 14. Jahrhundert erbaute Grangienkirche. Der Begriff Grangie Vorratshaus bezeichnete ursprünglich einen Getreidespeicher, dann einen umfriedeten Hofbezirk und später den gesamten landwirtschaftlichen Gutskomplex.

24.8.1683

Die Bergkirche wurde von den Türken verwüstet. Bis zur Zerstörung im Türkenkrieg von 1683 war die Bergkirche die Pfarrkirche des 2 km entfernten Dorfes. Statt eines Wiederaufbaues ließ die Bevölkerung die im Ort aus der Zisterzienserzeit vorhandene gotische Grangienkirche erweitern und barockisieren. Sie wurde um 1700 geweiht und ist seither die Leithaprodersdorfer Pfarrkirche.

vor 1700

Familiennamen

Dentinger, Eibeck, Ehrenhofer, Fromwald, Füssl, Graf, Gratzer, Gulden, Heindl, Heiss, Jagenbrein, Lehner, Leiner, List, Meinhart, Mozelt, Muhits, Niklas, Panits, Papst, Pelz, Peissinger, Pluschkovits, Radeiner, Reiter, Schlager, Schuster, Silberknoll, Tinhof, Wady, Wagast, Wallner, Weninger, Zweng, Tanhofer.

1700 - 1900

Familiennamen

Alfons (Alphanz) 1705, Blümel (Blieml) 1764, Boros 1894, Czeczil 1876,Demitsch (ursprüngl.Temischl) 1743, Dinser 1888, Eder 1723, Eichinger (Aychinger) 1716, Fasching 1701, Fekete 1878, Ferster 1730, Fleischhacker 1876, Franz (Ferencz) 1786, Gruber 1729, Gutmann 1877, Hart(n)er 1796, Heinschink 1748, Kahofer 1794, kopinitsch 1793, Korntheuer 1700, Korntheuer 1839, Lochbühler 1823, Marban (Marvan) 1843, Markhart 1751, Pavitsitsb1894, Peringer 1715, Posch 1724, Pöschl 1729, Puntigam 1747, Renner 1725, Ruschitz 1811, Schicker 1761, Schmalzl 1805, Schmidtbauer 1835, Schrammel 1705, Seidl (Seyerl) 1731, Siffert 1738, Szivatz 1804, Solinger 1702, Spitzer 1700 und 1813, Stefanitsch 1823, Steinlechner 1727, Teischler 1795, Trabichler 1861, Tschank 1872, Waraschitz 1854, Züger (Zieher) 1723.

1705 - 1710

Kuruzzeneinfall: Die zu Beginn des 18. Jahrhunderts aufflammende Kuruzzeneinfälle dauerte bis 1710. Sie brachten nach den Türkenkriegen eine neuerliche arge Heimsuchung. Ein Schimpfwort aus der damaligen Zeit "KruzziTiken" übersetzt Kuruzzen und Türken.

1713

1713 wurde die Dreifaltigkeitskapelle im Wald errichtet. Einfacher Giebelbau an den Längsseiten Barockstrebepfeiler. An der Altarwand ein Relief der Dreifaltigkeit mit Krönung Mariä. Steinmetzarbeiten aus dem frühen 18. Jahrhundert. Im Hochsommer des Jahres 6. bis 13. Juli 1683 drangen die Türken ins Ödenburger Komitat ein und zogen sengend und mordend durchs Land. Die Bewohner aus Leithaprodersdorf und Umgebung suchten Zuflucht in Eisenstadt das sich den Schutz der Türken erkauft hatte und in den Burgen Pottendorf und Scharfenegg. Die meisten Bewohner jedoch flüchteten in die Wälder des nahen Leithagebirges. Hier fühlten sie sich sicher vor den Türken. Bekanntlich mieden die Türken als Steppenvolk die Wälder. Die Flüchtlinge hatten Vieh, Lebensmittel und Hausrat mit und sich so auf einen längeren Aufenthalt vorbereitet. Mit Schaudern sahen sie aus ihrem Versteck ihre Pfarrkirche am Berg in Flammen aufgehen. Täglich zur Abendzeit versammelten sie sich in einer Schlucht zum Gebet. Im Vertrauen auf Gottes Hilfe standen sie die schwere Zeit durch. Und sie gelobten, sollte das Unheil für sie gut vorrübergehen, ein sichtbares Zeichen der Dankbarkeit zu errichten. Nachdem in der Entscheidungsschlacht vor Wien  am 12. September 1683 die Wiener Verteidiger, die Deutschen Hilfstruppen und das polnische Entsatzheer unter König Jan Sobieski die Türken geschlagen hatten, dauerte es nicht mehr lange bis die Flüchtlinge in ihre Dörfer zurückkehren konnten. Freilich, allen war es nicht vergönnt, da die Türken nicht wenige Verstecke ausfindig machen konnten. Die Not daheim war sehr groß, und es dauerte Jahrzehnte bis sich die Prodersdorfer Bauern wirtschaftlich erholten. Allein ihr Gelübde vom Sommer 1683 vergaßen sie nicht. So ließen sie etwa um die Jahrhundertwende einige Prodersdorfer, vornehmlich die Familie Eibeck, an der Stelle wo sie der gemeinschaftlichen Andachten oblagen, zu Ehren der Allerheiligsten Dreifaltigkeit eine geräumige Kapelle errichten. Berichtet uns der Pfarrherr von Loretto Adolf Mohl im Jahre 1895. Und alljährlich am Dreifaltigkeitssonntag wird in der Kapelle ein feierlicher Gottesdienst mit Predigt abgehalten wobei sich die ganze Umgebung von weit und breit so wie einst zur gemeinschaftlichen Andacht einfinden. Zur Zeit pflegt und schmückt die Familie Menitz Michael Hauptstraße 36 alljährlich die Kapelle zum Dreifaltigkeitsonntag.

1715

Nach den Türkenkrieg wurden alle Leithaprodersdorfer Anwesen bewohnt und bewirtschaftet.

1735

Die Leithabrücke wird neu gebaut und so zur Verbundenheit über Diözesangrenzen hinaus. Das ist bis heute nicht selbstverständlich, wenn man bedenkt, das zwischen anderen bgld. Pfarren und der Nachbarpfarre in der Erzdiözese Wien kein Kontakt besteht. Besondere Beziehung gab es zum Servitenpfarrer Loretto und dem Minoritenkloster Wimpassing.

31.1.1744

Aus Nachlässigkeit entstand eine Feuersbrunst und zerstörte Schmiede, Schupfe, Presse und Fässer.

7.3.1744

Hochwasser und eisiger Wind das das Wasser in der überfluteten Kirche fror (Quelle: Matrikenauszüge Pfarre Leithaprodersdorf)

1767

Maria Theresia hat das Urbarialwesen reformiert.

1777

Maria Theresia schuf die neue Schulordnung, Sohn Kaiser Josef II. führte sie durch. 

1809

Franzosenkrieg, ferner auch die Koalitionskriege zwischen 1792 und 1815.

 

1848

Mitte des 19. Jahrhundert war die Zeit reif, für eine Veränderung grundsätzlicher Art. Die 1848er Revolution war geistig schon durch die Renaissance, die Aufklärung und die französische Revolution vorbereitet worden. Sie brachte die Aufhebung der Grunduntertänigkeit und somit die völlige Freiheit der Bauern. Der Preis war nicht gering.
1. Die Urbarialisten mussten die Remanentialgründe (Überländer) um nicht weniger als 23.000 Gulden ablösen.
2. Als in den 80iger Jahren des vorigen Jahrhunderts infolge eines billigen Getreides aus Amerika zu einer Agrarkrise kam, sanken die Einkommen der Bauern.
3. Es kam zu einer Aufsplittung der Anwesen (z.B. durch Heirat).

Bis 1848 waren die 40 Lehen auf 70 Häuser verteilt, bald gab es über 100.

1857 - 1892

Währungen Gulden

1860

Eröffnung Mineralbad Lajta-Pordany Ungarn

Das dem Fürsten Nicolaus Esterhazy gehörige Mineralbad bei Lajta-Pordany ist durch die Südbahnlinie Wien - Ebreichsdorf von Wien in zwei Stunden zu erreichen.
Das im Jahre 1860 erbaute Badehaus enthält ein geräumiges Vollbad mit Dusche und Wasserpumpe, acht Zimmer, davon zwei für Wannenbäder.
Man kann daher gemeinschaftlich oder auch einzeln in den Kabinen baden oder sich der Wannenbäder bedienen. Zunächst dem Badehause befindet sich die Baderestauration mit Speisesaal und separaten Zimmern.

Eine englische Parkanlage, besonders aber die liebliche und abwechslungsreiche Umgebung von Weingärten, Feldern, Auen, Wiesen, Wäldern und die Nähe des Leithagebirges  machen den Aufenthalt sehr angenehm.
Durch die bequeme Fahrordnung der Züge von Wien nach Ebreichsdorf und zurück an Sonn- und Wochentagen Früh und Abends (Preis der Tour- und Retourkarten: zwei Tage gültig, fl. 1.10") ist den Bewohnern Wiens die Möglichkeit geboten, diesen reizend gelegenen, noch wenig bekannten Badeort Lajta-Pordany als Ausflugsziel und als Sommerfrische zu benützen. Samstag abends halb 8 Uhr und Sonntag Früh halb 8 Uhr erwarten Wagen (Sitz per Person 65 kr., hin und zurück fl. 1.30) die Fahrgäste in Ebreichsdorf, um dieselben nach Prodersdorf zu fahren. Retourfahrt von dort nach der Bahnstation Sonntag abends 7 Uhr, Ankunft in Wien 3/49 Uhr, dann Montag Früh 3/46 Uhr, Ankunft in Wien 3/48 Uhr. Wenn größere Gesellschaften die Partie machen, so wolle man gefälligst die Badedirektion früher verständigen, damit die nötigen Wagen beigestellt werden. Von der Eisenbahn Unter-Waltersdorf der Wiener-Neustadt-Grammatneusiedler  Eisenbahn ist das Bad für Fußgänger leicht in einer Stunde zu erreichen.
Die seit Jahrhunderten bekannte warme Schwefelquelle entspringt aus sedimentären Gesteinsarten. Das Wasser enthält nach der vom Professor Joss aus Wien vorgenommenen Analyse vorzugsweise schwefelsauren und kohlensauren Kalk, schwefelsaure Bittererde, schwefelsaures Natron. Kali, dann Tonerde, Kieselerde, Eisen, Jod, Mangan und Quellsäure. In einer "resitcehrischen Mass Wasser sind bei 0" B. und bei 28'774" Barometerstand 1*952 Kubikzoll Schwefelwasserstoffgasimd 6'682 Kubikzoll Kohlensäure enthalten.
Die eben da zu Tage tretende kalte Quelle wird in das große Bassin geleitet, so dass an dessen einer Seite das warme, an der anderen das kalte Wasser zufliesst und hat somit eine Temperatur von 19 Grad.
Wirkung, Anwendung und Indication: Dieses Mineralwasser wirkt anregend und belebend auf die Haut und die Schleimhäute und stärkt das Nervensystem.
Der Gebrauch dieser Quelle ist angezeigt bei Hautkrankheiten, bei chronischen Katarrhen, namentlich der Atmungsorgane, des Magens und des Darmkanals, bei Schleimflüssen, bei Rheumatismen, Gicht und Lungenentzündung, bei chronischen Blei-, Mercur- und Jodvergiftungen, bei der Scrophel- und Bleichsucht. Audi als allgemeines Erfrischungsbad ist diese Quelle von Jedermann vorteilhaft zu benützen. Bei allen diesen krankhaften Zuständen ist das Baden mit dem Trinken zu verbinden, namentlich bei Kehlkopf-, Magen- und Darmkatarrhen, bei Bleichsucht, bei Hämorrhoiden etc.
Neben der Mineralquelle fließt eine eisenhaltige frische Quelle, welche ein vortreffliches Trinkwasser bietet.
Verköstigung und Wohnung: Für gute Speisen und Getränke, für bequeme Wohnung, prompte Bedienung bei billigen Preisen ist bestens gesorgt.

1882

Hochwasser Katastrophe durch Leithafluß

1892

Hochwasser vernichtet Rüben und Kartoffelernte
(Quelle: Matrikenauszüge Pfarre Leithaprodersdorf)

1892 - 1924

Währungen Kronen

31.3.1894

Brand in Leithaprodersdorf 13 Häuser werden verwüstet, Wind trägt Flammen über Leitha.

25.8.1899

Erdbeben in und um Leithaprodersdorf um 10,30 Uhr schwache Erdstöße.

14.9.1899

Hochwasser  Q [m³/s) 128

26.4.1907

Hochwasser  Q [m³/s) 125

1909

Leitha fast ausgetrocknet  (Quelle: Matrikenauszüge Pfarre Leithaprodersdorf)

28.6.1914

Im Attentat von Sarajevo ermordeten Mitglieder der Studentenorganisation Mlada Bosna den österreichischen Erzherzog Franz Ferdinand.

28.7.1914

Der erste Weltkrieg wurde von 1914 bis 1918 in Europa, dem Nahen Osten, in Afrika, Ostasien und auf den Weltmeeren geführt und forderte rund 17 Millionen Menschenleben. Annähernd 70 Millionen Menschen standen unter Waffen, etwa 40 Staaten waren am Krieg direkt oder indirekt beteiligt.

28.6.1919

Ende des Ersten Weltkrieges, 45 gefallene Leithaprodersdorf. Auch nach dem 1.Weltkrieg erholte sich der Bauernstand kaum. Die Inflation und Weltwirtschaft waren Schuld.

15.3.1921

Das Burgenland ist ein Bundesland im Osten von Österreich Landeshauptstadt ist Eisenstadt. Es ist das östlichste und gemessen an seiner Einwohnerzahl kleinste Bundesland. Das Gebiet gehörte einst zum Königreich Ungarn, das im Vertrag von Trianon 1920 verpflichtet wurde, das damalige „Deutsch-Westungarn“ an die neue Republik Österreich abzutreten. 1921 kam die Landnahme des Burgenlandes zu einem Abschluss. Das neu hinzugekommene Land wurde danach in Burgenland umbenannt.

1924 - 1938

Währungen Schilling

1926

Hochwasser Katastrophe durch Leithafluß

1938 - 1945

Währungen Reichsmark

13.3.1938 

Anschluss Österreich an Deutschland ohne Blutvergießen und Verhaftungen.

8.11.1938

Erdbeben in und um Leithaprodersdorf mit einer Magnitude von 5,0.  Im Jahre 1938 fand das stärkste und folgenschwerste Beben statt, das in der Region jemals gemessen wurde. Es wies eine Magnitude von 5,0 auf. Damals kam es im Bereich des Epizentrums an fast allen Häusern Beschädigungen des Mauerwerks, wobei manche Risse zentimeterbreit waren. Rauchfänge wurden beschädigt. Die Erdbeben ereignen sich in einer Tiefe zwischen 5 und 11 km.

1.9.1939

Der Zweite Weltkrieg 1939 - 1945 war der zweite global geführte Krieg sämtlicher Großmächte des 20. Jahrhunderts und stellt den bislang größten und verheerendsten Konflikt in der Menschheitsgeschichte dar. Im Kriegsverlauf bildeten sich zwei militärische Allianzen, die als Achsenmächte und Alliierte bezeichnet werden. Direkt oder indirekt waren über 60 Staaten am Krieg beteiligt, über 110 Millionen Menschen standen unter Waffen. Die Zahl der Kriegstoten liegt zwischen 60 und 70 Millionen. Gekennzeichnet wurde der Konflikt unter anderem durch Blitzkriege, Flächenbombardements und den bisher einzigen Einsatz von Atomwaffen sowie Holocaust, Völkermord an den europäischen Roma und zahllose Kriegsverbrechen.

1.9.1939

Kriegsbeginn mit Polen.

1940

Erst 1940 wurde durch die Entschuldungspolitik hier ein Wandel geschaffen.

21.5.1940

Hochwasser  Q [m³/s) 148 , in der Kirche 40 cm Wasser.

1941

Hochwasser

1945 - 1999/2002

Währungen Schilling bis 2002 Zahlungsmittel (Übergang)

19.2.1945

Aus unserer Gemeinde wurden 3 Mitbürger wegen Widerstandes unter dem Titel „Wehrkraftzersetzung“ am 16. Dezember 1944 verhaftet und am 19.2.1945 ins KZ Mauthausen überstellt. Martin Pöschl, Josef Menitz und Heinrich Radatz.

29.3.1945

Am Karsamstag abends hörte man von Osten her das Dröhnen der Kanonen und das Pfeifen der Stalinorgeln (russische Raketenwerfer). Sowjetische Flieger kreisten unaufhörlich im Raum der Prodersdorfer Furt und warfen Leuchtraketen, Christbäume genannt. Eine schaurige Nacht.

30.3.1945

Eines der traurigsten Kapitel in unserer Ortsgeschichte ereignete sich in der Karwoche des Jahres 1945. Zu Beginn der Karwoche lagerten in den Steinbrüchen zwischen Loretto und Stotzing einige tausend ungarische Juden, die nach Westen deportiert werden sollten. Am Karfreitag und Karsamstag wurden diese armen Menschen von SS Soldaten durch unser Dorf in Richtung Gramatneusiedl getrieben. Unmenschlich und grausam wurden sie behandelt. Wenn ihre Kräfte erlahmten, wurden diese gepeinigten armseligen Kreaturen durch Tritte, Hiebe und Schläge weiter getrieben, um schließlich erschlagen oder erschossen zu werden. Die Leichen blieben liegen. In einer kurzfristig anberaumten Ausgangssperre wurden die Toten gesammelt und in die Schottergrube transportiert. Hier wurden sie verbrannt gemeinsam mit den Akten aus dem Gemeindeamt und der Schule.

2.4.1945

Russen besetzen die Gemeinde, zwei Männer wurden erschossen. Alle deutschen Soldaten hatten am Morgen des 2. April (Ostermontag) das Dorf verlassen. Um 3.00 Uhr morgens wurde Stotzing kampflos besetzt. Am Morgen standen die Sowjets am Johannesberg in Schwarmlinie aufgestellt und marschierten Richtung Leithaprodersdorf. Am südöstlichen Dorfausgang in Gschlösslnähe versammelten sich gegen 8.00 Uhr einige Männer unseres Ortes, sie trugen weiße Fahnen. Die Rote Armee näherte sich unserem Dorf. Hektisch beratschlagten die Männer, was nun zu tun sei. Schließlich gewann man den Mitnachbarn Josef Heiss, genannt 17er Heiß, er möge den Sowjets entgegen fahren. Die Wahl fiel deshalb auf ihn, weil er im Ersten Weltkrieg als russischer Gefangener der russischen Sprache einiger Maßen mächtig war zum Einen, zum Anderen war er als Mann mit Mut und Zivilcourage bekannt und geachtet.
Die Sowjetsoldaten teilten ihre Front beim Johannesbach in drei Abschnitte: ein Teil marschierte über die Wolfsgruben in Richtung Unterort, ein Teil über die Hausgraben in Richtung Kleinhäusl und der Mittelabschnitt blieb auf der Straße. Heiss wartete mit einem weißen Taschentuch am Gernspitz. Er hatte einen ukrainischen Ostarbeiter namens Alex bei sich, der war beim Bauern Josef Jagenbrein , genannt Vormeister, als Hilfskraft beschäftigt. Josef Heiss erklärte dem Offizier, dass im Dorfe keine deutschen Soldaten seien. Nachdem der Kommandant sein Fahrrad mit dem weit Besseren des Heiss vertauscht hatte, schoss er dreimal in die Luft.
Sofort löste sich die Schwarmlinie auf, und die Soldaten marschierten Richtung Dorf, wo sie um 9.00 Uhr eintrafen und es frei von Zwischenfällen besetzte.

3.4.1945

Damit endete nach fast 6 Jahren für unser Dorf der Zweite Weltkrieg. Die Bevölkerung hatte viel Not und Entbehrung zu ertragen, doch weit größeres seelisches Leid hatten die Angehörigen der 31 gefallenen und 17 vermissten Leithaprodersdofer zu bewältigen.
Die Kerntruppen hielten sich nicht lange im Dorfe auf. Josef Heiss wurde zum Dolmetsch ernannt und sein Wohnhaus in zyrillischer Schrift gekennzeichnet.
Die Flüchtlinge kehrten von ihren Verstecken vom Dorfrand in ihre Wohnhäuser zurück. Den Kampftruppen folgten die Versorgungstruppen, Tross genannt. Diese machten sich im Dorfe breit, besetzten die Häuser, nahmen Pferde und Wagen in Beschlag, trieben Rinder und Schweine weg und requirierten Nahrungsmittel. Jeder Prodersdorfer half sich so gut er konnte, den Besetzern ein Schnippchen zu schlagen. Die Raumnot in den Häusern war groß, die sanitären Anlagen verschmutzt. Die greifbaren Männer wurden zur Arbeit für die Besatzer heran gezogen, wie bei uns etwa zum Brückenbau und für Transportfahrten.
Für Frauen und Mädchen waren die Monate der Besatzungspräsenz eine Schreckenszeit, vor allem in den ersten Wochen. Neben der Arbeitsleistung von Waschen, Putzen und Kochen für die Besatzungssoldaten war es vor allem die panische Angst vor Vergewaltigungen. Die unmöglichsten Verstecke mussten aufgesucht und die Orte oft gewechselt werden.
Der Dolmetsch Heiss wurde oft um Hilfe gebeten. Er war jedoch nur Befehlsempfänger, wo es möglich war half er. Georg Reiter und Demitsch Michael unterstützten ihn mit Rat und Tat. Georg Reiter war jener legendäre Bürgermeister, der 1934 das Gemeindewirtshaus für ein neues Schulhaus eintauschte.
Heiss und Reiter sind die beiden Protagonisten der Russenzeit, wie diese Zeitperiode nach 1945 genannt wurde. Der Dolmetsch Heiss und der zum Bürgermeister ernannte Reiter erfuhren nicht immer Verständnis von Seiten der Mitbürger, weil diese die Zusammenhänge nicht kannten. Den beiden Männern und den sie damals unterstützenden Mitbürgern gebührt aber Respekt und Dank.

6.5.1945

Martin Pöschl, Josef Menitz und Heinrich Radatz. Nachdem sie am 6. Mai 1945 von den amerikanischen Streitkräften befreit worden waren, kehrten Martin Pöschl und Josef Menitz zu ihren Familien zurück, während Heinrich Radatz im Spital des KZ Mauthausen verstarb.

8.5.1945

Ende des  zweiten Weltkrieges - am 7. und 8. Mai  kapitulierte Deutschland, 54 gefallene Leithaprodersdorf.

1.8.1945

Im August 1945 zog die Besatzung ab und die Lage im Dorfe besserte sich von Monat zu Monat, zumal durch die Heimkehrer aus der Kriegsgefangenschaft die Familien zusehends leistungsfähiger wurden.
Im September 1945 löste der Widerstandskämpfer Josef Menitz Reiter als Bürgermeister ab. Menitz seinerseits wurde 1947 von Franz Kopinits abgelöst. Bis zu den Gemeinderatswahlen von 1950 waren die Bürgermeister ernannt worden. Der erste gewählte Bürgermeister war somit Georg Siffert.
Zunächst galt es, die Verluste an Vieh und Geräten auszugleichen. Die staatlich gelenkte Bewirtschaftung von Nahrungs- und Konsumgütern war weiterhin aufrecht. Es galt somit, sich selbst so gut es ging zu helfen. Die reale Wirtschaftsform war der Tauschhandel. In einer solchen Zeit bedarf es Menschen, die flexibel und geschäftstüchtig sind. Unser Dorf hatte einen solchen Mann in der Person des Johann Haberl. (Der Laden seiner Frau bot ihm Rückhalt.) Der Haberl, wie er genannt wurde, half vielen Bauern, er half sich auch selbst. Das macht einen Lebenskünstler aus.

1947

Die ersten beiden Nachkriegsjahre waren erntemäßig schwach, die Weinernten gut. Da zeigte die althergebrachte Mehrbereichswirtschaft ihren Vorteil, unsere Bauern waren Getreidebauern, Viehzüchter, Weinbauern und Waldarbeiter. Das gesamte Dorf profitierte davon. Auch Handwerker und Arbeitnehmer gingen wieder einer geregelten Beschäftigung nach.
Mit der Währungsreform von 1947 und dem Marschallplan von 1948 ging die Prodersdorfer Wirtschaftsleistung deutlich aufwärts. Um 1950 setzte zaghaft die Mechanisierung ein. Die ersten Häuser und Wohnräume wurden bereits zu bauen begonnen. Betriebe wurden gegründet und die Zahl der Arbeitsplätze vermehrte sich.
Im Staatsvertragsjahr war der Ort schon wirtschaftlich gesichert und gesichert war auch die gesetzliche Lage.

1950

Nach dem 2. Weltkrieg war es ein Neubeginn. Seither kann die Lage als konsolidiert angesehen werden. Die Sozialstruktur des Dorfes hat sich geändert. Der Arbeiteranteil an Beschäftigten verschob sich zu Gunsten der Arbeitnehmer verschiedenster Art. Vorteilhaft wirkt sich die Nähe Wiens als Großstadt aus, und dank der durch die Motorisierung geschaffenen Mobilität wissen die Dorfbewohner ihren günstigen geografischen Standort zu nützen. Auch auf bildungspolitischem Gebiet ist es zu starken Veränderungen gekommen, mit dem Fazit einer Hebung des Niveaus. Die Dezentralisierung des höheren Schulwesens von der Großstadt in die Kleinstädte bewirkte eine Zunahme der Führungsschichten in den Dörfern. Als Beispiel möge Ihnen unser 1000 Seelendorf sich hier und jetzt zwischen einer Mittelstadt und einem Bauerdorf vollzieht.

1950

Das Lothringer Kreuz steht für die Gläubigkeit der Dorfbewohner. Seit dem Mittelalter ist Leithaprodersdorfs Bevölkerung immer römisch-katholisch. Das Lothringer Kreuz befand sich auf dem schönen geschwungenen Giebel über dem Friedhofeingang am Hohen Totenweg. Im Zuge der unsachgemäßen Renovierung der Friedhofumzäunung nach dem Zweiten Weltkrieg schleifte man das historisch wertvolle Bauwerk. Das Lothringer Kreuz -französisch, ist ein Kreuz mit zwei Querbalken - der untere Querbalken ist vom unteren Ende des Längsbalkens so weit entfernt wie der obere Querbalken vom oberen. Das Kreuz war seit König René I. das Symbol der Fürsten von Anjou, die bis 1473 über Lothringen herrschten. Wahrscheinlich kam es durch Einwanderer die auf Arbeitssuche (Auf der Walz) aus dem Gebiet Elsass zu uns, noch heute bezeugen Namen wie Siffert, Kleindienst oder 1651 Lehrer Peter Kharner aus Trier (Rheinland-Pfalz) die von dort abstammen.

1.6.1950

Leithabrücke wird neu erbaut. Im Jahr 1945 wurde die hölzerne bei Kampfhandlungen gesprengt.

1954

Gemeinderatswahl ÖVP 358, SPÖ 167 Stimmen.

15.5.1955

Unterzeichnung des Staatsvertrages.

11.11.1956 

Flüchtlingsstrom aus Ungarn ins Burgenland beginnt.

1958

Gemeinderatswahl ÖVP 337, SPÖ 184 Stimmen.

 1960 

Nach dem Staatsvertrag setzte ein rasanter Aufstieg an Wirtschaftskraft im Dorfe ein. Überall regte sich Bildung und Streben (um ein Wort Goethes zu gebrauchen). Der Prodersdorfer Bauernstand erreichte in der Zeit zwischen 1960 und 1990 seine größte Blütezeit.
Der Bildungsstand wurde breiter und höher. Berufsbildende Schulen führten zu einem gut qualifizierten Facharbeiterstand.
Der Unternehmerstand expandierte und sicherte Arbeitsplätze.
Kulturell ausgerichtete Vereine etablierten sich, auch wurde Sport groß geschrieben.

14.12.1961

Hochwasser  Q [m³/s) 125

1961

Die Gemeinde zählte man 882 Einwohner und 210 Häuser.

2.12.1963

Erdbeben in und um Leithaprodersdorf gegen 7.49 Uhr ereignet sich ein Erdbeben, welches 15 Sekunden dauerte. Das Epizentrum lag in Ebenfurt.

23.4.1965

Hochwasser von 22 bis 25 April - Q [m³/s) 195, in Kirche 1,20 Meter Wasserstand. Bänke sind fortgeschwommen. Gottesdienst wurde im Gasthaussaal gefeiert.

15.5.1965

10 Jahre Staatsvertrag

26.7.1966

Hochwasser von 25 bis 26 Juli - Q [m³/s) 175.

20.8.1966

Hochwasser weitere Überschwemmung.

1968

Karhofer Martin das letzte mal werden die Gemeindeinformationen mit der Trommel verkündet.

„heit auft nocht um ochte kimmt da herr inschineur schielhan von da siegendorfer zuckerfabrick zum ferenz wirt, olle die rurm hom suin zur vasaummlung keimma  – die Trommel daratata daratata „

5.1.1972

Erdbeben in und um Leithaprodersdorf  5.55 Uhr wurde unserer Gemeinde von einen Erdstoß erschüttert. Zentrum Wr. Neustadt Stärke Richterskala 4-5.

2.7.1975

Hochwasser am 2. 3. 4. Juli - 140 Q [m³/s) - Ort wurde überflutet.

26.4.1986

Unfall im Atomkraftwerk Tschernobyl in der Ukraine. Wind und Wetter brachte radioaktiven Abfall in unser Land. Die Bevölkerung wurde von Angst und Panik befallen. Kinder durften nicht im Freien spielen.

29.7.1991

Hochwasser  Q [m³/s) 183

1.1.1995

Mit dem Beitritt zur Europäischen Union am 1.1.1995 kam es zur Änderung in der Wirtschaftsstruktur im gesamten Staat.

8.7.1997

Hochwasser  Q [m³/s) 149

1.1.1999

Währungen Euro ab 1.1.1999  - Schilling bis 2002 Zahlungsmittel - Umrechnung: € 1,-  / 13,7603 Schilling

11.7.2000

Erdbeben in und um Leithaprodersdorf mit einer Magnitude von 4,8. Die Erdbeben ereignen sich in einer Tiefe zwischen 5 und 11 km.

13.8.2002

Hochwasser  Q [m³/s) 125

20.3.2005

Hochwasser  Q [m³/s) 140

8.9.2007

Hochwasser  Q [m³/s) 130

25.6.2009

Hochwasser  Q [m³/s) 149

8.1.2010

Eröffnung der Fahrradbrücke von Leithaprodersdorf nach Deutsch Brodersdorf.

20.9.2013

Erdbeben in und um Leithaprodersdorf: Am Freitag, den 20. September 2013 ereignete sich um 04:06 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit im Raum Ebreichsdorf Niederösterreich ein Erdbeben mit einer Magnitude von 4,3. Die Erdbeben ereignen sich in einer Tiefe zwischen 5 und 11 km.

2.10.2013

Erdbeben in und um Leithaprodersdorf: Am Mittwoch den 02. Oktober 2013 ereignete sich abends um 21:42 Uhr MESZ im Raum Ebreichsdorf, Niederösterreich, ein Nachbeben in 14 km Tiefe das eine Magnitude von 4,2 aufwiest. Es wurde von der Bevölkerung deutlich verspürt.

23.10.2013

Erdbeben in und um Leithaprodersdorf: Am Mittwoch den 23. Oktober 2013 ereignete sich abends um 21:34 Uhr im Raum Ebreichsdorf, Niederösterreich ein leichtes Erdbeben, das eine Magnitude von 2.8 aufweist.

25.2.2014

Zweit mildester Winter seit 250 Jahre im Schnitt um 2,7 Grad wärmer als sonstige Winter.

25.5.2014

EU-WAHLEN in Leithaprodersdorf: ÖVP 50.19%, SPÖ 19,13%, FPÖ 13,26%, Grüne 8,33%, BZÖ 0,57%, NES 5,11%, Andere 3,41%

31.5.2015

Landtagswahlen in Burgenland Ergebnis Leithaprodersdorf - 999 Wahlberechtigte 81,38% Wahlbeteiligung. ÖVP 54,17%, SPÖ 23,23%, FPÖ 8,46%, Grüne 5,56%, LBL 5,18%, NEOS 2,78%, CPÖ 0,63%. 

8.6.2015

Begehung der Dreifaltigkeitskapelle und Startschuß zur Renovierung. Ansprechpartner Blümel Horst und Cecil Poldi.
Die Renovierung erfolgt unter Aufsicht der Esterhazy Stiftung.

11.11.2015

Für ihr Engagement in der Gemeinde und Land.
Dr. Michael Graf erhielt das goldene Ehrenzeichen des Landes Burgenland.
Mag. Hermann Frühstück erhielt das große Ehrenzeichen der Republik Österreich.